Kirchliches Schulamt in Offenbach am Main

Praxisbeispiele Schulseelosrge

Praxisbeispiele aus der Arbeit der Schulseelorger*innen aus dem Jahr 2017:

Marienschule in Limburg / Petra Denzer, Schulpfarrerin und Schulseelsorgerin / Mail: denzer.petra@gmail.com

Alles steht Kopf – ein präventives Projekt als SeelsorgeA

Dem Projekt liegt zugrunde der Disney-Film „Alles steht Kopf“: Ein Mädchen zieht vom ländlichen Minnesota nach San Francisco. Der Umzug und die sich daraus ergebenden Probleme überfordern die Anpassungsstrategien von Riley. Parallel dazu zeigt der Film die Reaktionen ihrer Gefühle (Freude, Angst Wut, Ekel und Ärger). Die Zuschauer begleiten sie auf dem Weg durch das Gehirn, ihr Gedächtnis mit den so wichtigen Kernerinnerungen und erleben wie Riley nach und nach ihre „Persönlichkeitsinseln“ verliert und am Ende wiederfindet und erweitert.

Das Projekt dauert zwei Tage, 1.-6. Stunde und ist konzipiert für die 7. Klasse Gymnasium. Inhaltlich ist es in drei Phasen gegliedert: 1. Den Film anschauen. 2. Vertiefung mit Hilfe von Plakaten und Aufgaben, die alleine oder zu zweit gelöst werden können. 3. Einen Handyfilm drehen, für die die SuS eine Szene aus ihrem Alltag wählen und die Reaktion ihrer Gefühle spielen.

                                 

Gymnasium Nieder-Olm / Bettina Rau-Alpermann,  Schulpfarrerin und Schulseelsorgerin / Mail: rau-alpermann@web.de

Andacht vor dem schriftlichen Abitur   

Die „Andacht vor dem Schriftlichen Abitur“ ist aus dem Impuls erwachsen, die kirchliche Präsenz an der Schule durch eine sinnvolle Verknüpfung von Angebot und Zielgruppe zu stärken.  Die Erweiterung der vorhandenen gottesdienstlichen Agenda verfolgte also eine quantitative und  qualitative Zielrichtung, die Suche nach einen geeigneten „Sitz im Leben“ stand dabei im Vordergrund. Das Abitur mit seinen vielen kritischen Momenten  und Traditionen erschien mir dafür prädestiniert, weil es sich besonders gut zur liturgischen Begleitung einer individuell und  sozial bedeutsamen biographischen Zäsur eignet. Für deren Abschluss hat sichder Abiturgottesdienst an vielen Schulen inzwischen etabliert, für den Anfang hatte bis dahin noch kein rituelles Äquivalent existiert. Als theologischer Leitgedanke dient hier also ein Verständnis von Schulseelsorge, die, neben dem Angebot von Einzelgesprächen, die liturgisch-rituelle Komponente als kirchliches Proprium versteht und nach außen vertritt.

Neu an diesem Angebot sind der Zeitpunkt und die Adressaten. Schulgottesdienste finden i.d.R. innerhalb der Schulzeit statt, die Zielgruppe bleibt hier auf die Schüler/innen und das Kollegium beschränkt. Das ist in den meisten Fällen organisatorisch nicht anders möglich, schließt aber die Familien aus.  Jede schulische Laufbahn ist eingebettet in einen sozialen Kontext, und im Abitur ist der familiäre Rückhalt besonders wichtig. Die Wahl des Vorabends der ersten schriftlichen Prüfung als Zeitpunkt für die Andacht lag deshalb auf der Hand, um den Eltern die Teilnahme zu ermöglichen. Der abendliche Termin verstärkt zudem das Gefühl der zeitlichen Nähe des Prüfungsbeginns und erzeugt eine atmosphärische Verdichtung.

Organisatorisch braucht die – ökumenisch gestaltete – Andacht, wie alle anderen schulischen Veranstaltungen, einen langen Vorlauf, der vor den Sommerferien mit der Festlegung des Termins und der musikalischen Planung beginnt. Für Rheinland-Pfalz bedeutet das, anders als in Hessen, zusätzliche Arbeit in den Wochen vor Weihnachten, wenn der Druck durch Korrekturen, Konferenzen und die Weihnachtsgottesdienste ohnehin schon maximal ist. Die Andacht muss spätestens am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien konzeptionell und organisatorisch fertig sein, auch die Werbung muss frühzeitig anlaufen. Organisatorisch verfahre ich so, dass ich an die in vielen Gymnasien praktizierte Arbeitsteilung anknüpfe, die den 12. Jahrgängen bei den Abiturfeierlichkeiten besondere Aufgaben zuweist. In der Abi-Andacht übernehmen deshalb Schüler/innen des 12. Jahrgangs die musikalische Gestaltung und werden auch liturgisch eingebunden.

Die Andacht selbst dauert ca. 45 Minuten, die Bezeichnung „Andacht“ soll die Abgrenzung vom „großen“ Abiturgottesdienst verdeutlichen. Thematisch ist von ernsthaft (bevorstehende Prüfungen) bis heiter vieles möglich, ich habe auch schon über Jogginghosen gepredigt – das ist bei uns die traditionelle Prüfungskluft.

Schulgottesdienste sind wegen ihrer Terminierung innerhalb der Unterrichtszeit meistens gut besucht, einer Abendandacht fehlt dieser institutionelle Multiplikator. Trotzdem erfreut sich die Andacht seit ihrer Premiere im Januar 2013 einer stetig wachsenden Resonanz bei den Abiturienten und ihren Eltern, die Kirche war in den letzten Jahren immer voll besetzt.

Max-Eyth-Schule in Alsfeld (Berufliche Schule) / Claudia Kautzmann, Schulpfarrerin und Schulseelsorgerin / Mail: claudiakautzmann@gmx.de / und Christine Schellhaas, Schulpfarrerin und Schulseelsorgerin / Mail: Christine.Schellhaas@gmx.de

Die Pausenoase

Die Pausenoase ist  eine Kraftquelle im Schulalltag. Sie ermöglicht , als „offenes Begegnungsangebot“  das Zusammentreffen und gegenseitige Kennenlernen  über verschiedene  Grenzen hinweg. An unserer Schule mit ihren fast 2000 Sch. treffen Menschen aus unterschiedlichsten Zusammenhängen  und mit den verschiedensten Hintergründen zusammen: Verschiedene Schulformen, verschiedene Kulturen und Länder, verschiedene soziale „Herkünfte“, verschiedene Altersgruppen…..

In dieser Vielfalt fungiert  die Pausenoase als Begegnungszentrum, in dem ein aufeinander zugehen und voneinander lernen und erfahren und verstehen ermöglicht werden soll. Dies geschieht verbunden mit „niedrigschwelligen Angeboten“  ( Pausenoase mit Schwerpunkt:  interkulturelle Begegnung , Thema: Freundschaft / Liebe…)

Das Projekt „Pausenoase“ wird  daher oftmals  von SchülerInnen vorbereitet und durchgeführt – es arbeiten hier also Schüler verschiedener Schulformen und auch DaZ- Schüler zusammen.

Interkulturelle Begegnung in der „Pausenoase“ der Max-Eyth-Schule

Die Pausenoase mit dem Thema „Fest der Begegnungen“ soll die interkulturellen Begegnungen zwischen den Schülerinnen und Schülern an der Schule fördern. Des Weiteren gab es eine Spendenübergabe: Erlös des alljährlich stattfindenden Weihnachtbasars der EIBE- und der BVJ-Klassen (Bildungsgänge der Berufsvorbereitung) geht an „Schülerinnen und Schüler in Not“

Wie heißt die Hauptstadt von Somalia? Wie ist dort das Klima? Und wie groß ist das Land eigentlich? Das waren Fragen, die die somalischen Schüler der Max-Eyth-Schule im Rahmen der interkulturellen Pausenoase in einem Quiz stellten. Sowohl Schülern als auch Lehrern wurde dadurch klar, wie wenig sie über das Land wissen, aus dem viele junge Flüchtlinge, die die Max-Eyth-Schule besuchen, stammen. Aber auch die Schüler aus Afghanistan und aus Eritrea hatten das „Fest der Begegnung“ mitgestaltet: Aus den Lautsprechern schallte Musik aus Afghanistan, Eritrea und Albanien. Es gab Gebäck nach Rezepten aus Somalia und Afghanistan und die Schüler hatten Infoplakate über ihre Herkunftsländer gestaltet.

Abdul Mirzai, auf dessen Infoplakat auch die landschaftliche Schönheit  Afghanistans ins Auge fiel, freute sich über die vielen interessierten Schüler aus anderen Klassen, denn er hat eine Botschaft „unser Land braucht Hilfe“.

Die Pausenoase ist mittlerweile eine Institution an der Max-Eyth-Schule: Initiiert von den Schulpfarrerinnen Claudia Kautzmann und Christine Schellhaas und unterstützt von Schülern, kann man hier einmal im Monat  bei Tee, Kaffee, Gebäck in entspannter Atmosphäre ins Gespräch kommen. Sei es mit den Schulpfarrerinnen, mit anderen Schülern oder eben wie beim „Fest der Begegnung“ mit den Schülern aus der „Deutsch-als-Zweitsprache-Klasse“, die im Rahmen der EIBE-Maßnahme an der Max-Eyth-Schule installiert sind.

Beim Fest der Begegnung  wurden die Erlöse des diesjährigen Weihnachtsbasars an die „Pausenoase“ gespendet, um die Arbeit der Schulseelsorge an der Max-Eyth-Schule wieder zu unterstützen.

Mitgearbeitet hatten diesmal  auch die Auszubildenden in der Hauswirtschaft im ersten Lehrjahr, angehende Sozialassistenten und weitere Schüler aus den Bildungsgängen zur Berufsvorbereitung.  Gemeinsam hatten sie ein Willkommensplakat und die Zahlen von 1 – 10 in den Sprachen Syriens, Albaniens, Polens, Italiens, der Türkei, Afghanistans, Somalias, Eritreas und natürlich Deutschlands erstellt.

Zaki Adan Hassan  und Farhaan Mahamud Dauud aus Somalia sind sehr glücklich darüber, dass sie die Max-Eyth-Schule besuchen können: „Der Deutschunterricht ist gut, dadurch kommen wir in Kontakt mit Anderen,“  finden sie. In dieser Pause lernen sie Volkan Hotaman kennen, der das Berufliche Gymnasium besucht und dem die „interkulturelle Begegnung“ gut gefällt. „Leider ist die Pause aber zu kurz.“

Klingerschule (BBS, Berufsfachschule, BzB und BG, ) in Frankfurt/ Johannes Schatz, Schulpfarrer und Schulseelsorger / Mail: jonnie.jonnie@web.de

Drei Minuten-Seelsorge

Was heißt für mich 3 Minuten-Seelsorge?

Ich halte mich an einem Platz auf dem Schulgelände auf, wo Schüler sich bewegen und trage mich dafür bewusst in den Plan der Pausenaufsicht ein (da wir eine Berufliche Schule mit wenig Konfliktfällen sind, kollidiert der Aufsichts-Auftrag nicht mit dem des unvoreingenommenen Seelsorgers).

Schüler/innen kommen mehr oder weniger absichtsvoll mit mir ins Gespräch. Bisweilen wird mir verpackt eine Frage gestellt. „Ich wollte Sie da mal was fragen, wegen einem Bekannten …“ Ich kläre nun, ob diese Frage als eine Beauftragung für ein vertrauliches Gespräch zu verstehen ist.

Ist dies der Fall mache ich deutlich, dafür bereit zu sein, um gemeinsam mit ihr/ihm einen Lösungsansatz zu finden. Gegebenenfalls kann der Hinweis auf das Aufsuchen eines geschützten Raumes (AnsprechBar) eine Hilfe darstellen.

Mithilfe systemisch orientierter Fragen wird nun ausgelotet, was das eigentliche Problem ist. Hier ist es nötig, das Gehörte durch Wiederholung zu verdichten und auf den Punkt zu bringen.

Es folgt die Problemlösungsphase in der die/der Ratsuchende (mit Unterstützung) eigene Lösungsansätze abwägt.

Am Ende spiegele ich dem Ratsuchenden mit eigenen Worten, was bei mir als ihr/sein Lösungsansatz angekommen ist und bitte sie/ihn selbst zu überlegen, was für sie/ihn als nächstes konkret zu tun ist (=Verabredungsphase). Ich biete an, mit ihr /ihm zu einem bestimmten Zeitpunkt nochmal auf das Thema zu sprechen zu kommen sofern sie/er das wünscht.

Ludwig-Erhard-Schule (BBS, Fachoberschule, BÜA) in Frankfurt am Main / Uwe Kunz, Schulpfarrer und Schulseelsorger / Mail: Uwe.Kunz_Frankfurt@t-online.de

Ein Raum, eine Mittagspause und ab und zu Waffeln

= der Schülertreff an der Ludwig-Erhard-Schule

Lia hängt auf der Couch, die Beine über die Lehne gelegt, Imane räkelt sich daneben auf einem Sessel mit Kopfhörern im Ohr, ihr entspannter Blick verrät: Sie träumt…; am Tisch sitzen Stephan, Latif und Arslan und spielen Karten. Ruben und Achmet haben es sich in den Sitzsäcken bequem gemacht und reden über die Klassenarbeit. Kyra, Max, Caner und Tolga reagieren sich am Kicker ab, bei ihnen ist noch viel Power zu spüren…

So sieht es aus im LES-Treff in der Mittagspause.

Seit Februar 2017 gibt es den LES-Treff. Ausgangspunkt war die Frage: Wie kommen wir (Sozialpädagoge und Schulseelsorger) mit Schüler u. Schülerinnen locker in Kontakt und bieten den Schülern die Möglichkeit klassen- und schulformübergreifend sich kennen zu lernen. Folgende Kriterien waren uns wichtig:

Das Ergebnis ist der LES-Treff, geöffnet von montags bis freitags in der Mittagpause (12:55- 13:25 Uhr). Als Mobiliar wurden einige Sessel, Sitzsäcke und Hocker angeschafft. Ein paar Pflanzen geben dem Raum eine gemütliche Atmosphäre. Als Angebote gibt es einen Kicker, eine Dart-Scheibe und viele Gesellschaftsspiele. Als Ansprech- bzw. Spielpartner stehen der Sozialpädagoge oder Schulseelsorger zur Verfügung.

Seit der Eröffnung kommen regelmäßig 5 – 10 Schüler und Schülerinnen, manche schauen kurz rein, andere halten sich die gesamte Pause dort auf. Wasser und Tee steht kostenlos zur Verfügung. Zur Freude der Schüler gibt es auch hin- und wieder frische Waffeln – dann kommen natürlich mehr Leute. Wenn die Tür offen ist, kommen mittlerweile einige auch außerhalb der Mittagspause und hängen kurz ab.  Das zeigt uns, dass die Schüler den Raum angenommen haben.

Gottesdienste als „Gegengewicht“ zum Schulalltag

Internatsgymnasium Lucius in Echzell / Michael Brückmann, Schulpfarrer und Schulseelsorger / Mail: michael-brueckmann@t-online.de

Konzept und Ziel

„Das Leben mit anderen Augen sehen“,

so würde ich meine Absicht mit den Gottesdiensten beschreiben, die 3 Mal im Schuljahr stattfinden: zu Weihnachten, Ostern und Schuljahresende.

Es geht mir darum, dass das Evangelium und die Geschichten der Bibel transparent werden für das eigene Erleben und umgekehrt.

Schon während der Vorbereitungen in und mit nahezu allen Klassen wird das persönliche, aber auch schulische und gesellschaftliche Leben reflektiert.

So wird das zum Thema, was uns unbedingt angeht (P.Tillich).

Automatisch bekommen die Gottesdienste so eine Dimension der Tiefe.

In einem System wie der Schule (mehr noch in einem Internat) verengt sich der Blick auf das Leben sehr schnell auf das, was erwartet wird: Leistung und Funktionieren, Coolness und Anerkennung. Dem nicht zu entsprechen, wird als Defizit empfunden, das behoben werden muss.

Die Gottesdienste sind ein Gegengewicht. Hier soll auch die „Rückseite“ des Lebens zur Sprache kommen. Denn, was zur Sprache kommen darf, kann auch angenommen werden. So ist mehr und mehr eine Kultur entstanden, die über die Gottesdienste hinausgreift und das Schulleben sanft verändert: Empfundene Defizite müssen nicht immer ausgemerzt werden, sie gehören auch zum Menschsein und dürfen angenommen werden, weil Gott uns angenommen hat. Uns im Licht Gottes sehen, das ist die Chance und die Aufgabe dieser Gottesdienste.

Vorbereitung und Verlauf

In den Monaten vor dem Gottesdienst entsteht schon eine innere Wachsamkeit für eine Idee. Oft kommt sie im Unterricht, in einem Gespräch, durch ein Lied  etc.

Aus der Idee mache ich einen „roten Faden“, den ich im Unterricht vorstelle.

An Ostern 2017 bestand die Idee darin, Ostern als Neuanfang zu interpretieren und die Stationen des Kreuzwegs als schmerzhafte Anstöße zum Neuanfang: ein riesen Ärger, ein Schock aus heiterem Himmel, eine riesen Enttäuschung, etc..

Damit konnten sich die Schüler sehr gut identifizieren, denn ihr Weg ins Internat war nahezu ausnahmslos ein schmerzhafter Anstoß zu einem Neuanfang. Im Verlauf der Vorbereitung stellten sie ihre Erfahrungen den Stationen am Kreuz zur Seite. Die biblische Geschichte wurde transparent für die eigene Erfahrung. Und die Botschaft von Ostern wurde zur Verheißung eines Heils, das sie unbedingt angeht.

Kooperation und Kompetenz.

Ich habe im Internat die Unterstützung großartiger kompetenter Kollegen.

Besonders im Bereich Musik und zunehmend auch in dem neuen Fach Darstellendes Spiel. Wir bereichern uns gegenseitig mit Ideen und Wünschen für den Gottesdienst.

Im Fall des Ostergottesdienstes war es so, dass das Lied „Neuanfang“ von Clueso musikalisch so umgesetzt wurde, dass es den Gottesdienst ständig begleitete.

Die Schulgemeinde

Die Gottesdienste haben einen zunehmend hohen Stellenwert in der Schule erhalten. Die Schulleitung unterstützt mich sehr.

So wurde der Gottesdienstbesuch „Pflicht“ für alle (auch Lehrer und Erzieher), natürlich ohne das „Überwältigungsverbot“ zu missachten.

Was anfangs durchaus Widerstände hervorgebracht hat, ist seit einiger Zeit Selbstverständlichkeit geworden… es sind einfach zu viele geworden, die am Gottesdienst beteiligt sind, oder ihn zumindest positiv mittragen.

Kalender der Religionen

Johann Textor Schule in Haiger / Sabine Graben, Religionslehrerin und Schulseelsorgerin i. E. / Mail: sabine.graben@gmx.de

Die Litfaßsäule im Eingangsbereich der Schule  – zwischen Vertretungsplan und Kiosk – ist ein zentraler Treffpunkt und der INFO-Point der Schule. 

Infokarten zu den Festen der Religionen weisen auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede hin.

Sie sind ein niederschwelliges Angebot, um die Vielfalt von Religionen und Kulturen an der Schule wahrzunehmen und weiter zu forschen. Die Kalenderkarten zu den Weltreligionen werden als  Gesprächsanlässe verstanden und führen oft SchülerInnen, KollegInnen und Eltern zu der Schulseelsorgerin mit weiterführenden Themen. Sie sind  der Türöffner zu einer Begleitung auf Zeit und zeigen die Präsenz der Schulseelsorge an einem zentralen Ort der Schule.

Mentorinnen und Mentoren für die Schülerinnen und Schüler eines fünften Schuljahres

Elly Heuss Schule in Wiesbaden / Wolfgang Emmerich, Schulpfarrer und Schulseelsorger / Mail: emmerich38433@online.de

Das Ziel dieses Projektes ist es, für jede neue Klasse eines fünften Schuljahres in einer weiterführenden Schule drei bis vier SchülerInnen zu finden, die als MentorInnen fungieren, um den neuen SchülerInnen niedrigschwellige Hilfen anzubieten, sich in der neuen Schule  zu orientieren, Schwierigkeiten zu überwinden und AnsprechpartnerInnen zu finden.

Im Vorfeld gilt es, das Projekt mit der Schulleitung abzustimmen, es anschließend der Gesamtkonferenz vorzustellen und deren Einverständnis einzuholen.

Das Projekt wird dann den SuS des neunten Jahrganges vorgestellt (April/Mai eines Jahres). Diejenigen, die sich freiwillig zur Mitarbeit entscheiden, werden bis zu den Sommerferien zu drei bis vier Vorbereitungstreffen eingeladen. Diese dienen der – auch schriftlichen – Ausarbeitung der Inhalte der Mentorentätigkeit: Klärung der eigenen Motivation; Formulierung von Zielen und Methoden; Erörterung von Handlungsmöglichkeiten; Benennen von Erwartungen an die beiden das Projekt betreuende LehrerInnen sowie an die  zukünftigen KlassenlehrerInnen des fünften Jahrgangs, mit denen die Mentorenarbeit abgesprochen und verzahnt wird; Optionen zum Umgang mit Problemen.

Die eigentliche Tätigkeit der MentorInnen (Diese sind nun also in der E-Phase.)  beginnt mit der Selbstvorstellung am Tag der Einschulung der Fünftklässler vor den versammelten Eltern und SchülerInnen.

In der Folgezeit des Schuljahres begleiten die MentorInnen nach Absprache mit den KlassenlehrerInnen auf unterschiedliche Weise die Fünftklässler, z. B. durch Unterstützung der Pausenaufsicht; Gestaltung einer Schulrallye; informelle Treffen auf dem Schulhof; Gespräche und Aktionen im Rahmen von Klassenleiterstunden; Begleitung von Wandertagen; gemeinsame Treffen zu Spielenachmittagen.

Im Abstand von vier bis fünf Wochen kommen die MentorInnen mit den sie begleitenden LehrerInnen zusammen zum Zweck der Evaluation, der Entwicklung neuer Ideen und zur Bearbeitung möglicherweise aufgetretener Schwierigkeiten.

Zum Nachweis der geleisteten Arbeit und als Würdigung derselben erhalten die MentorInnen am Schuljahresende ein Zertifikat als Anlage zum Zeugnis, welches für die Bewerbung um Ausbildungs- oder Studienplätze hilfreich sein kann.

Insofern die Mentorenarbeit Beiträge liefert zur Stärkung des sozialen Miteinanders; der Lösung von Problemen Einzelner, von Gruppen oder auch der ganzen Klasse; der Entwicklung von Eigeninitiativen und des ehrenamtlichen Engagements wird dieses Projekt von der Schulgemeinschaft insgesamt wertgeschätzt.

OASE der Stille – EIN ORT ZUM AUFTANKEN

Julius-Leber –Schule (BBS, Berufsfachschule, Fachoberschule, BG) in Frankfurt am Main / Petra Sorg, Schulpfarrerin und Schulseelsorgerin / Mail: petrasorg@aol.com

2011 war es endlich soweit, die über 3000  Schülerinnen und Schüler der Julius-Leber-Schule hatten in einem Preisausschreiben Vorschläge eingereicht, wie IHR Raum heißen soll. Eine Jury aus Schulleitung und Schulseelsorgerin Petra Sorg wählte die besten drei aus und prämierte sie feierlich. Gewonnen hatte eine

Kombination der beiden Vorschläge „OASE“ und „Stille-Raum“.

Preisgekrönt wurden die Namensgeber mit begehrten Kinogutscheinen und Büchern. Die Einweihung wurde feierlich begangen, sogar die Frankfurter Presse war angereist, Schulleiter Rolf Seip würdigte die Idee und freute sich, dass die Schule den Raum endlich einrichten konnte.

Schülerinnen und Schüler drängten sich in dem kleinen Raum, der vorher mit ihrer Unterstützung einen frischen gelben Anstrich erhalten hatte und gemütlich mit Sofa, Kissen und Sesseln ausgestattet worden war.

Die OASE der Stille wurde zum Anlaufpunkt für alle an der Schule: LehrerInnen, Schüler-innen und Schüler, Konferenzen, Teams. Gedacht ist die OASE als Rückzugsort für alle. Für Seelsorgegespräche, für Probleme zwischen Lernenden und Lehrenden, für Alles, also, was unter vier Augen in freundlicher Atmosphäre besser zu besprechen ist.

Die OASE ist an der Julius-Leber-Schule seither nicht mehr wegzudenken. Es wurde zum geflügelten Wort: „Gehen wir in die OASE“, heißt es etwa für seelsorgerliche Gespräche mit Schülerinnen und Schülern, für vertrauliche Gespräche unter Kollegen, für Sitzungen des kleinen Fachbereichs Religion und anderer Teams an der Schule.

„Du kannst Dich in der Oase ausruhen“, sagen Kolleginnen und Kollegen zu einer Schülerin, der es nicht gut geht, zu einem Schüler, der sich sammeln muss.

„Ich muss mich kurz zurückziehen“, sagen die Kollegen, wenn sie in die OASE gehen.

Kurz: Der Raum gehört der ganzen Schulgemeinde, wird von allen besucht und von Schülerinnen und Schülern immer wieder neu gestaltet – zuletzt durch Mutmachbilder und Trostplakate. 

Orientierungstage “Gemeinsam unterwegs”

Brüder-Grimm-Schule Kleinlinden – Integrierte Gesamtschule / Christel Arens-Reul, Schulpfarrerin und Schulseelsorgerin / Mail: arens@reul.ws

Orientierungstage unter dem Motto “Gemeinsam unterwegs” werden im Rahmen der Schulseelsorgearbeit an der Brüder-Grimm-Schule, einer integrierten Gesamtschule in Gießen, jedes Jahr für SchülerInnen der Klassen 7-10 angeboten. Sie basieren auf Freiwilligkeit und die Bereitschaft sich auf die Rahmenbedingungen einzulassen.

Bis zu 30 Jugendliche (+/-) können sich für die Fahrt, die meistens im Rahmen von vier bis sechs Tagen in der letzten Schulwoche vor den Sommerferien stattfindet, anmelden. Mindestens ein Drittel der Belegungsplätze wird von SchülerInnen aus den “Flüchtlings-klassen” besetzt. Mit diesem Angebot geben die Orientierungstage neben der Möglichkeit ganz individuelle Erfahrungen (auch Grenzerfahrungen) zu machen, gleichermaßen Raum und Zeit für interkulturelle und interreligiöse Begegnung und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Integrationsarbeit.

“Gemeinsam unterwegs” –  das beinhaltet für alle Teilnehmenden ein Einlassen auf “Einfachheit”, auf den (manchmal auch fremden) Menschen neben mir, auf ungewöhnliche Situationen und ungeahnte Herausforderungen für Körper und Seele.

Zu Land oder auf dem Wasser, mit dem Fahrrad, dem Kanu oder den eigenen Füßen geht es von Ort zu Ort und jeden Morgen heißt es: “Auf geht`s”, dem neuen Ziel entgegen. Jede und jeder nimmt mit was sie/er tragen kann. 

Am Anfang der Organisation steht die Auswahl des Fortbewegungsmittels (Fahrrad, Kanu, Füße), die Zielbestimmung und die Festlegung des Weges. Es folgt die Vorstellung der Fahrt für alle Interessierten, die Ausschreibung in der Schülerschaft und die Anmeldung (Teilnahme nach der Reihenfolge der Anmeldung, Warteliste).

Die Art und Weise des “miteinander unterwegs sein” ist bei jeder Reise von Rahmen-bedingungen bestimmt, die für jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer gleich sind:

Wenig Gepäck (Rucksack, Fahrradtasche – was brauche ich wirklich?), auf das Wesentliche konzentriert, einfache Quartiere (Herberge, Zelt, Hütte), Verzicht auf Luxus (alles zusätzliche muss selber transportiert werden, Notsituationen lassen uns zusammen rücken und das teilen, was wir haben), mit Achtsamkeit und Umsicht Mensch und Natur im Blick (der Mensch neben und mit mir, der Fluß, der Berg, der Wald, der Weg…) Räume für Begegnungen und Gespräche, Respekt, Toleranz und gegenseitige Rücksichtnahme auf die Möglichkeiten der Anderen, Zeit für Gespräche, Gedanken, Stille, Raum für (eigene) Grenzerfahrungen.

Voraussetzung ist auch die Teilnahme an einem Vorbereitungstag, der je nach “Fortbewegungsart” unterschiedliche Schwerpunkte hat. (z.B. polizeilicher Check der Fahrräder auf Verkehrstauglichkeit und Einweisung zum Radfahren in einer Gruppe, Probefahrt – Einweisung in den Umgang mit dem Kanu, Kontrolle der Schwimmerlaubnis, Aufklärungsarbeit zum Verhalten bei Unwetter und Gefahren auf dem Fluß, Verhaltensregeln – Materialcheck: Rucksäcke, Wanderschuhe, Einweisung zum richtigen Packen des Rucksacks, Verhalten bei Unwetter und Gefahren im Berg, Belastungstest 5-6 Stunden Probewanderung mit Gepäck)

Je nach Art der Tour bedeutet die Durchführung eine logistische Herausforderung (Planung, Anfahrt, Strecke…) Das Konzept der “Einfachheit” geht nicht unbedingt mit einer “einfachen” Vorbereitung einher. Vieles muss bedacht werden (Sicherheit, Verpflegung, sanitäre Voraussetzungen, körperliche, finanzielle , rechtliche und kulturelle Vorbedingungen der Teilnehmer usw.) Es ist auf jeden Fall zu empfehlen die Tour in einer Vorfahrt abzufahren, zu rudern bzw. vorzulaufen. Besonders in den Bergen ist der Anspruch mancher Bergwege nicht zu unterschätzen, auch Wegzeiten sind mit zu bedenken. Selbst sportliche Jugendliche können an einem steilen, langen Bergaufstieg an ihre Grenzen kommen, eine stundenlange Radtour mit Gepäck ist für manche Körperteile eine echte Herausforderung, eine Mehrtageskanutour lässt Handflächen anschwellen und beansprucht ungeübte Muskelpartien, Flußbedingungen (Stromschnellen, Umtragewehre, Schleusen  müssen bedacht werden. Da “ALLE” mit dabei sein dürfen, die die Grundvoraussetzungen mit bringen, ist eine umsichtige und auf Sicherheit bedachte, die Zielgruppe im Blick haltende Vorbereitung notwendig.

Wir empfehlen im Leitungsteam der Orientierungstage, falls keine eigene Qualifikation vorliegt, immer eine Sportlehrerin/ einen Sportlehrer oder eine Mitarbeiterin/ einen Mitarbeiter aus dem Bereich der kirchlichen oder sportlichen Jugendarbeit mit einzubinden, die oder der die entsprechenden Ausbildungsvoraussetzungen mitbringt.

Trotz der vielleicht aufwendigen Planungsvoraussetzungen, wurden bisher alle durch-geführten Orientierungstage mit großem positiven Feedback der Teilnehmenden bedacht. Die Möglichkeiten, die eine solche Art des “gemeinsam unterwegs sein” bieten lassen die organisatorischen Mühen im Vorfeld vergessen.

„Schall in der Birne“ – Kunstprojekt als Ort der Kommunikation                   

Rudi-Stephan-Gymnasium in Mainz / Andreas Schätzel, Schulpfarrer und Schulseelsorger / Mail: andreas.schaetzel@rsg.biz-worms.de / Reinhard Tiemann, Lehrer für Bildende Kunst / Mail: reinhard.tiemann@rsg.biz-worms.de     

Wie kann es gelingen, zentralen Botschaften Gehör zu verschaffen und zugleich Schüler dazu zu bewegen, eigene Sichtweisen zu thematisieren? In der zurückliegenden Adventszeit lud die Schulseelsorge am Wormser Rudi-Stephan-Gymnasium in den großen Pausen in den Meditationsraum der Schule zu einer audiovisuellen Kunstinstallation ein. Im Mittelpunkt standen vier weiße Holzstelen, auf die Luftballons mit leichten Kopfhörern montiert waren. Jeweils von einem Laptop aus wurden Musik und knappe Texte auf die Kopfhörer aufgespielt, die erst dann zu hören waren, wenn man nahe an einen Ballon herantrat. Die Haut des Ballons wurde somit zur schallübertragenden Membran für konträre Kurzbotschaften. „Du schaffst das nicht!“ war da zu hören neben ähnlich gelagerten Sätzen: „Dich braucht eh niemand!“ Diesen Negativbotschaften standen andere mutmachende Texte gegenüber: „Lass dich nicht verrückt machen!“ sowie als zentrale Botschaft „Fürchtet euch nicht!“ aus Lukas 2. Das Projekt basierte auf einer Kooperation zwischen Schulseelsorger und Kunstlehrer und wurde gemeinsam vorbereitet und durchgeführt.

Neben dem kunstpädagogischen Aspekt, Schülern wie Kollegen eine Audioinstallation unmittelbar zugänglich zu machen, stand die Absicht, an der Schule gegenwärtige Lebensrealitäten zu thematisieren. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit an vielen Stellen mit Ängsten gearbeitet wird, um eigene Interessen und Machtansprüche durchzusetzen. Kinder und Jugendliche erfahren dies im schulischen und familiären Kontext etwa durch herabwürdigende Aussagen, die sie in ihrer Entfaltung einschränken sollen. Im gegenwärtigen gesellschaftlichen Klima wird dies deutlich an populistischen mit Angstbotschaften versetzten Parolen, die  auf wachsende Zustimmung stoßen und auch das Umfeld beeinflussen, in dem Schülerinnen und Schüler aufwachsen. In diese Situation hinein sollten die Audiobotschaften zu einer sensiblen Wahrnehmung wie auch zum kreativen Dialog einladen.

Dem reinen Hören wurde im Raum mit zwei Kreativstationen ein produktiver Gegenpol gegenüber gestellt. Für die Schüler bestand  hier die Möglichkeit, das auszudrücken, was sie beschäftigt im Horizont von Angst und Hoffnung. Es konnten hierzu aus Buchstabenwürfeln Wörter und Sätze gelegt oder an einer zweiten Station mittels eines Holzstabs in die glatte Fläche eines Sandkastens geschrieben werden. Diese Produktionen wurden fotografiert und sodann im Raum auf einem Monitor in einer Bildpräsentation präsentiert. Diese Kreativstationen führten zu einer Entschleunigung der Abläufe und luden ein zum Verarbeiten des Gehörten. Zugleich ermöglichten sie eine Partizipation, da eigene Gedanken und Eindrücke thematisiert und durch Veröffentlichung in den inneren Dialog des Raumes eingebracht werden konnten.

Insgesamt kam dem Projekt eine integrative Wirkung zu, indem ästhetische, gesellschaftliche und religiöse Dimensionen miteinander verschränkt wurden, wodurch innerhalb der schulischen Öffentlichkeit unterschiedliche Gruppen und Milieus angesprochen werden konnten. Die Verbindung von künstlerischen und religiösen Zugängen hat sich als sehr produktiv erwiesen, da eine kollegiale fächerübergreifende Kooperation in weitere Bereiche der Schulöffentlichkeit hineinwirken kann.


Mittels dieser Kunstaktion gelang es zudem, an der Schule das Spezifische der Schulseelsorge weiter zu profilieren. Eine solche Installation ist offen für sehr unterschiedliche inhaltliche Schwerpunktsetzungen und somit durchaus auch übertragbar auf andere schulische und situative Gegebenheiten.

Video zu „Schall in der Birne“: (mit QR-Code?)
https://www.facebook.com/evangelischwormswonnegau/videos/1950101995238273/

Verschuldung und Überschuldung – ein Thema der Schulseelsorge in der Berufsbildenden Schule                                                                                                 

BBS I Gewerbe und Technik in Mainz /Alfred Schäfer, Schulpfarrer und Schulseelsorger / Mail: a.schaefer.eppstein@web.de

Wonach könnte die Seele eines überschuldeten jungen Menschen dürsten?
-Dass einer innehält und da ist, wenn jemand unter die Räuber gefallen ist,
-dass der angeknickte Grashalm nicht zerbrochen wird,
-dass Menschen in Extremsituationen nicht allein gelassen werden.

Insbesondere an Berufsbildenden Schulen existiert eine meist unbekannte Zahl ver- und überschuldeter Menschen, fast immer sind dies Auszubildende. Statistisch sind ca. 10% der 18-30 jährigen Personen überschuldet. Scham, eigenes Versagen und Fehlverhalten führen dazu, dass diese Menschen sich zurückziehen und in Handlungsunfähigkeit verfallen. Dadurch wird ihre Situation noch bedrängender.

Die Schulseelsorge kann hier mit den Grundkategorien des Evangeliums eine Tür zum Ausweg aus dieser Lage bieten:
-Mut zusprechen, sich der eigenen Lage zu stellen,
-Versöhnung mit sich selbst und Anderen in die Wege leiten,
-Vergebung eigener Schuld ermöglichen,
-Vertrauen in Menschen neu aufbauen helfen.

Was ist zu tun?
Das Thema „Ver- und Überschuldung“ sollte als Arbeitsfeld der Schulseelsorge benannt und im gesamten schulischen Umfeld bekannt gemacht werden.
Notwendig ist die Kenntnis der Begrifflichkeit. Was ist unter Ver- und Überschuldung zu verstehen? Deshalb zwei kurze Definitionen:
Verschuldung: Das zur Verfügung stehende monatliche Einkommen reicht zur Finanzierung aller Ausgaben aus. Bestehende Verbindlichkeiten, Verträge und Kredite können bedient werden.
Überschuldung: Das zur Verfügung stehende monatliche Einkommen reicht zur Finanzierung der üblichen Lebenshaltungskosten (Miete, Ernährung, lfd. Verträge etc) und zur Tilgung bestehender Kredite nicht mehr aus.

Im besten Fall gelingt es, eine vertrauensvolle Situation zu schaffen, die ver- und überschuldete Personen motiviert, ihre Lage ändern zu wollen.
Konkret heißt dies:
-Überschuldete finden eine Atmosphäre des Vertrauens.
-Zusammen mit der überschuldeten Person: Aufarbeitung (chronologisch) aller Unterlagen;
 Sortierung nach Vorgängen; Ordner  anlegen.
-Person stabilisieren: „In absehbarer Zeit wirst Du ohne Schulden leben können!“
-Lösung angehen: mit der Person zusammen einen Termin bei der Schuldnerberatung (SB) vereinbaren; weiter Kontakt halten; die persönliche Situation und Entwicklung begleiten.

Deutliche Signale für Überschuldung sind: Rücklastschriften (Girokonto), Briefe von Rechtsanwälten wegen Zahlungsaufforderung für Erhöhtes Beförderungsentgelt, Mahnschreiben von Inkasso-Büros, Aufforderungen zur Eidesstattlichen Versicherung; Mahn- u. Vollstreckungsbescheide; Pfändungsbeschlüsse etc.
Bei der Aufarbeitung der Unterlagen (2-6 Std.) bieten sich genügend Anlässe zur Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte. Dabei können thematisiert werden: eigenes Verhalten, Schuld, Leichtgläubigkeit; Abhängigkeit etc.

Wie finde ich eine offiziell zugelassene Schuldnerberatungsstelle?
Schuldnerberatungsstellen arbeiten wohnortbezogen. Notwendig ist ein Telefonat und die Abstimmung der Zuständigkeit. Häufig wird SB-Stelle von Caritas und Diakonie betrieben.

SB-Stellen finden (hier jeweils auch weitere Informationen):
Rheinland-Pfalz: https://www.sfz.uni-mainz.de
Hessen: http://www.schuldnerberatung-hessen.de
Bundesweit: http://www.bag-sb.de

Achtung: unbedingt darauf achten, dass ausschließlich offiziell anerkannte SB-Stellen angesprochen werden. Es existiert ein erheblicher Markt von kommerziellen Diensten, die zur Verschlechterung der Lage Überschuldeter führen können.

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